Interview 2026
„Der Skill erinnert mich an Dinge, die ich vergesse"
Benjamin Baumann über KI-Skills, echte Individualisierung und den Lehrertyp, der scheitern wird.

Benjamin Baumann unterrichtet seit 15 Jahren am Wirtschaftsgymnasium und an der Berufsschule, Fachbereich IT-Systemmanagement. Er entwickelt und erprobt KI-gestützte Unterrichtskonzepte – darunter den KI-Haltungskompass und den KI-Rollenkompass – und setzt Claude-Skills systematisch in der Unterrichtsplanung ein. Im Gespräch erklärt er, was diese Werkzeuge wirklich leisten, wo ihre Grenzen liegen – und warum nicht jede Lehrkraft damit glücklich werden wird.

Frage: Herr Baumann, Sie nutzen KI-Skills seit einiger Zeit intensiv in Ihrer Unterrichtsplanung. Was hat sich konkret verändert?

Das Entscheidende ist: Materialerstellung ist für mich kein Problem mehr. Das klingt vielleicht banal, aber das ist es nicht. Früher habe ich an einem einzigen guten Arbeitsblatt manchmal eine Stunde gesessen. Heute kann ich in derselben Zeit fünf Varianten desselben Themas erstellen – für verschiedene Lernniveaus, verschiedene Lerntypen, verschiedene Bedarfe. Was sich wirklich verändert hat, ist der Kopf. Ich plane anders, weil ich weiß, dass die Umsetzung folgt.

Frage: Sie sprechen von Varianten für verschiedene Lerntypen. Wird damit echte Individualisierung endlich machbar – etwas, das Lehrkräfte seit Jahrzehnten fordern, aber selten wirklich umsetzen?

Genau das trifft es. Ich sage das nach 15 Jahren Unterricht: Die Fleißigen sind bislang oft auf der Strecke geblieben. Das klingt paradox, aber es stimmt. Differenzierung hieß bei mir in der Praxis meist: Ich helfe den Schwachen etwas mehr. Die Schnellen? Die warten. Die Fleißigen? Die kommen schon klar.

Was jetzt möglich ist: Ich könnte theoretisch für jeden einzelnen Schüler das Material erstellen, das er wirklich braucht. Den Schnellen, den Langsamen, den Lesefaulen, das Arbeitstier. Und dann: bestehendes Unterrichtsmaterial im Handumdrehen zu einem interaktiven Lernkurs umbauen – mit Beispielen, Rechenaufgaben, Hinweisen, Lösungen, als HTML-Seite, selbstgesteuert, im eigenen Tempo. Die Fleißigen, die Schwachen, die Langsamen, die Schnellen – ich kann jetzt alle bedienen. Das war früher schlicht nicht leistbar.

Frage: Was lässt sich damit noch umsetzen, das vorher nicht möglich war?

Wahnsinnig komplexe Unterrichtskonzepte. Planspiele zum Beispiel – die hätte ich früher kaufen müssen, und sie hätten trotzdem nicht genau gepasst. Jetzt kann ich sie so bauen, wie ich und meine Schüler sie brauchen. Gamification, Handlungs- und Problemorientierung, kognitive Aktivierungsaufgaben, Peer-Feedback, Reflexionsaufträge, überfachliche Kompetenzen – das wird nicht mehr vergessen oder weggelassen, weil ein gut gebauter Skill einen daran erinnert. Das ist der eigentliche Mehrwert: nicht Schnelligkeit, sondern Vollständigkeit.

Frage: Das klingt überzeugend. Und dennoch – wo stoßen Sie an Grenzen?

Die wichtigste Grenze ist: Ein Skill kann mir nicht das Denken abnehmen. Nicht das Entscheiden, nicht das Bewerten. Er kennt meine Klasse nicht. Er spürt nicht, wenn ein Thema gerade nicht sitzt. Das Feingefühl für die Lerngruppe – das bleibt bei mir. Und das ist auch gut so.

Was dazu kommt: Skills haben ein Eigenleben. Ich muss nachsteuern, anpassen, manchmal von vorne beginnen. Mit der Zeit werden sie besser – aber weil ich sie besser mache, nicht weil sie sich selbst optimieren. Es ist ein Dialog, kein Autopilot. Wer einen Autopiloten sucht, wird enttäuscht sein.

Frage: Für wen eignet sich dieser Ansatz – und wer wird damit scheitern?

Am meisten enttäuscht werden die sein, die ihren Unterricht „durchsetzen" wollen. Die nicht offen sind, die kein Trial and Error vertragen, die bei der ersten Iteration aufgeben. Nicht, weil sie schlechte Lehrkräfte wären. Sondern weil dieser Ansatz einen bestimmten Modus verlangt.

Man muss eine eigene, klare Idee mitbringen – aber kein starres Konzept. Man muss beharrlich sein, ohne stur zu sein. Man braucht Lust am Experiment. Und eine echte Motivation: Ich will meinen Schülern wirklich etwas Gutes anbieten. Die, die am meisten profitieren, sind Lehrkräfte, die eh schon neugierig waren – die ausprobiert haben, auch bevor es KI gab.

Frage: Was würden Sie einer Schulleitung raten, die diesen Weg für ihr Kollegium erschließen will?

Nicht mit dem Tool anfangen. Mit der Haltung anfangen. Fortbildungen, die nur zeigen, wie man einen Prompt formuliert, werden verpuffen – das ist meine feste Überzeugung nach allem, was ich erlebt habe. Was Lehrkräfte brauchen, ist Klarheit darüber, welche Rolle KI in ihrem Unterricht spielen soll. Bevor sie das erste Mal den Prompt-Kasten öffnen.

Danach: anfangen. Kleine Projekte. Einen Skill ausprobieren. Scheitern dürfen. Weitermachen. Die Lehrkräfte, die diesen Weg gegangen sind, berichten mir eines: Sie wollen nicht mehr zurück.

Projekt 2026
Myndsetter – Myndset vor Toolset.
Keynote, Workshop, Schulberatung – Expertise sichtbar machen.
Myndsetter – Myndset vor Toolset.

Ich habe Myndsetter gestartet – und damit eine Entscheidung getroffen: Ich möchte meine Expertise künftig deutlicher sichtbar machen. Nicht als Selbstvermarktung, sondern weil ich glaube, dass die Arbeit, die hinter Instrumenten wie dem KI-Haltungskompass oder dem KI-Rollenkompass steckt, für andere Schulen direkt nutzbar ist.

Myndset vor Toolset ist der Kern von allem. Wer zuerst die Haltung klärt – bei sich selbst, im Team, in der Organisation – trifft bessere Entscheidungen über Tools, Strukturen und Prozesse. Das gilt für KI in der Schule genauso wie für jede andere digitale Transformation.

15 Jahre Unterrichtspraxis, BWL und Pädagogik, handlungsorientiertes Lernen, digitale Schulentwicklung – das ist der Erfahrungsschatz, den ich einbringe. Myndsetter macht ihn zugänglich.

Ich bin buchbar für Schulen, Schulentwicklungsgruppen und Schulleitungen – als Keynote-Speaker, als Workshop-Anbieter oder als Berater für Schulentwicklung mit Schwerpunkt KI-Haltung und digitale Transformation. Wenn du neugierig bist, was das für deine Schule bedeuten könnte: Meld dich.

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Entwicklung 2026
KI-Rollenkompass – Wer bist du in der KI-Transformation deiner Schule?
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Der KI-Rollenkompass ist das neue Instrument aus der Myndsetter-Werkzeugkiste – und er baut direkt auf dem KI-Haltungskompass auf. Wer weiß, wie er oder sie zu KI steht, kann jetzt den nächsten Schritt gehen: Welche Rolle spiele ich eigentlich in der KI-Transformation meiner Schule?

Das Besondere: Der Rollenkompass liefert keine abstrakte Zahl, sondern ein konkretes Rollenprofil – aus acht möglichen Rollen wie dem Pionier, dem Lerndesigner, dem Kritiker oder dem Brückenbauer. Das Ergebnis zeigt Primär- und Sekundärrolle, einen Entwicklungsimpuls und einen konkreten Hinweis, wie du zum KI-Prozess deiner Schule beitragen kannst.

Kerngedanke: Schulen scheitern nicht daran, dass einzelne Lehrkräfte KI nicht kennen. Sie scheitern daran, dass niemand die notwendigen Rollen bewusst besetzt.

Für Schulentwicklung und Schulleitung wird der Rollenkompass zum echten Planungswerkzeug: Welche Rollen sind im Kollegium bereits vertreten – welche fehlen? Wo gibt es Fortbildungsbedarf? Wer könnte ein schlagkräftiges, funktionierendes KI-Team bilden?

Der Selbsttest umfasst 8 realitätsnahe Situationen aus dem Schulalltag. Keine Zahlen, keine Schieberegler – einfach Sätze auswählen, die passen. Dauert ca. 8 Minuten.

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Selbsttest 2026
KI-Haltungskompass – Der Selbsttest
30 Fragen, 5 Minuten – wo stehst du in Sachen KI-Haltung?

Wenn Schulen über KI diskutieren, landen sie meist schnell bei der falschen Frage: Welche Tools nutzen wir? Die entscheidende Frage lautet aber: Was denken, fühlen und glauben wir darüber – als Personen, als Pädagog:innen, als Gemeinschaft?

Der KI-Haltungskompass-Selbsttest hilft jeder Lehrkraft und jedem Schüler, die eigene Haltung zu reflektieren und gibt Hinweise, welche Stellschrauben möglicherweise gedreht werden könnten. Alles kann, nix muss – es geht um Sensibilisierung und bewusste Haltungsarbeit.

Kerngedanke: Verhalten folgt Haltung. Kenntnis und Bewusstsein für die eigene Haltung ist der allererste Schritt zur mündigen KI-Nutzung.

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Publikation 2026
KI-Haltungskompass – Handreichung für Schulentwicklung
Praxisorientiert, forschungsbasiert – KI-Mündigkeit durch Haltungsarbeit.

Der KI-Haltungskompass ist eine praxisorientierte Handreichung, die beschreibt, wie Lehrkräfte und Schüler:innen gemeinsam KI-Mündigkeit entwickeln – nicht durch Regelkataloge, sondern durch bewusste Haltungsarbeit.

Kerngedanke: Verhalten folgt Haltung. Immer. Regelwerke, Verbote und Tool-Listen greifen zu kurz, weil sie das Verhalten adressieren – nicht seine Grundlage.

Der Kompass umfasst neun Schüler:innen-Haltungsdimensionen und neun Lehrer-Haltungsdimensionen, strukturiert im Drei-Ringe-Modell von Mikro über Meso bis Makro. Für jede Dimension liefert er konkrete Lehrerimpulse, Reflexionsfragen und die dazugehörige Lehrerhaltung als Voraussetzung.

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Myndsetter auf LinkedIn – Impulse, Austausch, Vernetzung
Regelmäßige Praxiseinblicke aus dem Schulalltag rund um KI und Digitalität.

Digitalität und KI in der Bildung sind Themen, die vom Austausch leben. Auf LinkedIn teile ich regelmäßig Gedanken, Erfahrungen und Impulse aus meiner Arbeit als Lehrer, KI-Beauftragter und Berater.

Es geht um konkrete Praxiseinblicke aus dem Schulalltag, Reflexionen über Haltungsfragen in der digitalen Transformation und Denkanstöße für alle, die Schule zukunftsfähig gestalten wollen. Kein Marketing, sondern echte Einblicke und konstruktiver Austausch.

Ich freue mich über Vernetzung mit Lehrkräften, Schulleitungen, Bildungsinteressierten und allen, die an der Schnittstelle von KI und Bildung arbeiten.

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